Sonntag, 2. November 2008
Ein falscher Zug und ...
Falsche Züge, sogenannte Einsteller, passieren im Schach immer wieder. Mein heutiger Gegner, ein alter Bad Lobensteiner, der seine Züge mit PDS-Kugelschreiber notierte und während der Partie zwei, drei Marmeladenbrote mampfte, stellte bereits in der Eröffnung einen Springer ein. Er nahm dies mit scheinbar vollständiger Gemütsruhe hin, ebenso wie den baldigen Partieverlust. Das geht auch emotionaler, dachte ich mir verärgert. So wie bei Kasparov halt ... Tja, spätestens hier wird der Unterschied zwischen Vereins- und Spitzenschach deutlich ;-)
Die Verteidigung der Krone (und danach)

Viswanathan Anand hat erfolgreich seinen Weltmeistertitel gegen den Ex-Weltmeister und Matchspezialisten Vladimir Kramnik verteidigt. Im elften Spiel des WM-Kampfes in Bonn spielte Anand erstmals seinen geliebten Eröffnungszug e4, den Kramnik nach einem (inszenierten?) längeren Zögern mit c5 beantwortete. Das überraschte dann doch. Kramnik wählte die scharfe Najdorf-Variante im Sizilianer, die eigentlich doch gar nicht zu seinem Repertoire gehört und eher von scharfen Taktikern wie Shirov, Topalov und natürlich Kasparov bevorzugt wird. Nachdem die Kontrahenten die ersten Züge der Eröffnung heruntergespult und sich in eine der seltener gespielten Varianten hineinmanövriert hatten, öffnete Kramnik das Zentrum, obwohl sein König sich noch in der Mitte befand. Riskant ... und wahrscheinlich falsch! Anand nahm sich Zeit, umschiffte jegliche Komplikationen und erreichte eine Stellung mit komfortablem Spiel, ja sogar mit leichtem Druck. Um die Niederlage abzuwenden, musste Kramnik tauschen und in ein remislastiges Endspiel abwickeln, das kaum Chancen auf einen Sieg bot. Nach 24 Zügen bot er Anand schließlich remis, und der nahm an.
Für die Zukunft hat der alte und neue Weltmeister sich Einiges vorgenommen: natürlich, er will den Titel noch einige Jahre behalten. Aber das heißt nicht, dass er sich auf die WM-Matches konzentrieren wird, so wie es ja weitgehend Kramnik tat. Im Gegensatz zum Russen ist Anand auch ein exzellenter Turnierspieler und ein Meister im Schnell- und Blitzschach, und das will er bei den kommenden Topturnieren selbstverständlich noch einige Male unter Beweis stellen. Als spielender Weltmeister also, ganz so wie einst Karpov, will Anand sich um die Popularisierung des Schachspiels bemühen. Was dabei außer Frage steht: Anand verleiht dem Schach ein helles, ein frisches, ein sympathisches Gesicht.
Für die Zukunft hat der alte und neue Weltmeister sich Einiges vorgenommen: natürlich, er will den Titel noch einige Jahre behalten. Aber das heißt nicht, dass er sich auf die WM-Matches konzentrieren wird, so wie es ja weitgehend Kramnik tat. Im Gegensatz zum Russen ist Anand auch ein exzellenter Turnierspieler und ein Meister im Schnell- und Blitzschach, und das will er bei den kommenden Topturnieren selbstverständlich noch einige Male unter Beweis stellen. Als spielender Weltmeister also, ganz so wie einst Karpov, will Anand sich um die Popularisierung des Schachspiels bemühen. Was dabei außer Frage steht: Anand verleiht dem Schach ein helles, ein frisches, ein sympathisches Gesicht.
Dienstag, 28. Oktober 2008
Nach Kramniks erstem Sieg

Das Match um die Weltmeisterschaft geht weiter. Nachdem Vishy Anand mit seinen drei Punkten Vorsprung lange wie der sichere Sieger aussah, hat sich Vladimir Kramnik gestern mit den weißen Steinen in einer nimzoindischen Verteidigung den ersten Sieg erkämpft. Damit verpasste Anand seinen ersten Matchball.
Schon in Spiel 9 am Sonntag hatte der Inder einige Schwierigkeiten in der Moskauer Variante der halbslawischen Verteidigung und hielt nur mit Mühe Remis. Mit 12 ... De7 gelang Kramnik eine spannende Neuerung, die ihm angenehmes Spiel und sogar Siegchancen brachte, ein schwacher Zug in Zeitnot jedoch und Anand sicherte sich das Unentschieden. Als Kramnik gestern antrat, wusste er also, dass es um alles geht, und in der Tat, Kramnik siegte. In einer Variante, die sein ehemaliger Mentor Garry Kasparov gerne spielte, konnte er Anand mit einigen unangenehmen Problemen konfrontieren, die Anand, der inzwischen scheinbar doch Druck verspürt, nicht zu lösen vermochte. Nachdem er die Dame und den weißfeldrigen Läufer auf den Königsflügel kommandiert hatte, rollte Kramnik ihn scheinbar mühelos am Damenflügel auf. Nach nur 29 Zügen war das Spiel beendet.
Zwar ist es nach wie vor nicht wahrscheinlich, dass Kramnik insgesamt drei Siege hintereinander hinlegt, aber mit dem gestrigen Erfolg wahrt er seine Chancen auf ein Comeback. Spiel 11 am Mittwoch.
Sonntag, 26. Oktober 2008
Wie man seinen Gegner aus dem Konzept bringt
In Bonn läuft gerade die neunte Partie des Welmeisterschaftsmatches zwischen Vladimir Kramnik und Vishy Anand, Kramnik hat die schwarzen Steine und muss heute unbedingt gewinnen, um vielleicht doch noch ins Match zurückzufinden. Wie eine solche Aufholjagd beginnen könnte, zeigt sehr schön folgendes Video, in dem Nigel Short seinen Gegner Garry Kasparov ... tja ... mächtig überrascht:
Samstag, 25. Oktober 2008
Mittwoch, 22. Oktober 2008
Weltmeisterschaft in Bonn zur Hälfte gespielt

Die Schachweltmeisterschaft in Bonn zwischen Vishy Anand und seinem Herausforderer Vladimir Kramnik ist zwar erst zur Hälfte gespielt, aber wie es scheint, ist der Wettkampf für Kramnik bereits gelaufen. Nachdem Anand gestern seinen dritten Sieg erzielte und nun das "best of 12"-Match klar mit 4,5 zu 1,5 dominiert, sieht es jedenfalls für den Ex-Weltmeister Kramnik nicht gut aus.
Anand hatte die Partien drei und fünf mit Schwarz für sich entschieden, bis er gestern dann schließlich auch das erste Mal mit Weiß den vollen Punkt verbuchte. Dabei spielte er mit 9. h3 eine Neuerung, die auf den ersten Blick eigentlich gar nicht so stark wirkte, die aber Kramnik erneut aus seiner Vorbereitung herausriß und zu vorsichtigem Spiel zwang. Das gelang dem Russen bis in den siebzehnten Zug, wo er schließlich einen Bauern für Initiative opferte. Wie sich herausstellte, war diese Initiative jedoch eher kurzlebig, so dass Kramnik letztlich ein Endspiel mit einem Minusbauern verteidigte. Aus Frustration oder Verzweiflung gab der Russe gleich noch einen weiteren Bauern und suchte sein Heil im Gegenangriff. Anand verteidigte jedoch solide, konsolidierte seine Position und schob einen Bauern bis zur Dame durch, weshalb Kramnik denn auch aufgab.
Als das Match begann, gingen die meisten Experten davon aus, dass dies "eine sehr enge Kiste" werden würde. Anand zeigt sich jedoch soviel besser vorbereitet und in einer physisch so klar besseren Form, dass für Kramnik Schlimmstes zu befürchten steht. Einen Teil des Problems hat Kramnik selbst mitzuverantworten. Nachdem frühere Weltmeisterschaftsmatches 24 Partien dauerten und dem Spieler "im Loch" die Chance gaben, den Wettkampf noch zu drehen, hat sich gerade seit Kramniks Sieg über Kasparov (Kasparov-Kramnik 2000, 16 Spiele) die Dauer der Wettkämpfe auf die Hälfte verkürzt (Kramnik-Peter Leko 2004, 14 Spiele; Kramnik-Veselin Topalov 2006, 12 Spiele). Kramnik wird also nicht die Gelegenheit zu einer Aufholjagd bekommen, wie sie z. B. Kasparov gegen Karpov im Wettkampf 84/85 hinlegte. In den verbleibenden sechs Spielen bleibt ihm wahrscheinlich nur die bescheidene Hoffnung auf Schadensbegrenzung.
Anand hatte die Partien drei und fünf mit Schwarz für sich entschieden, bis er gestern dann schließlich auch das erste Mal mit Weiß den vollen Punkt verbuchte. Dabei spielte er mit 9. h3 eine Neuerung, die auf den ersten Blick eigentlich gar nicht so stark wirkte, die aber Kramnik erneut aus seiner Vorbereitung herausriß und zu vorsichtigem Spiel zwang. Das gelang dem Russen bis in den siebzehnten Zug, wo er schließlich einen Bauern für Initiative opferte. Wie sich herausstellte, war diese Initiative jedoch eher kurzlebig, so dass Kramnik letztlich ein Endspiel mit einem Minusbauern verteidigte. Aus Frustration oder Verzweiflung gab der Russe gleich noch einen weiteren Bauern und suchte sein Heil im Gegenangriff. Anand verteidigte jedoch solide, konsolidierte seine Position und schob einen Bauern bis zur Dame durch, weshalb Kramnik denn auch aufgab.
Als das Match begann, gingen die meisten Experten davon aus, dass dies "eine sehr enge Kiste" werden würde. Anand zeigt sich jedoch soviel besser vorbereitet und in einer physisch so klar besseren Form, dass für Kramnik Schlimmstes zu befürchten steht. Einen Teil des Problems hat Kramnik selbst mitzuverantworten. Nachdem frühere Weltmeisterschaftsmatches 24 Partien dauerten und dem Spieler "im Loch" die Chance gaben, den Wettkampf noch zu drehen, hat sich gerade seit Kramniks Sieg über Kasparov (Kasparov-Kramnik 2000, 16 Spiele) die Dauer der Wettkämpfe auf die Hälfte verkürzt (Kramnik-Peter Leko 2004, 14 Spiele; Kramnik-Veselin Topalov 2006, 12 Spiele). Kramnik wird also nicht die Gelegenheit zu einer Aufholjagd bekommen, wie sie z. B. Kasparov gegen Karpov im Wettkampf 84/85 hinlegte. In den verbleibenden sechs Spielen bleibt ihm wahrscheinlich nur die bescheidene Hoffnung auf Schadensbegrenzung.
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